Arlanda Transit Lounge
(Selbstüberlistung – just in time)
Sonntag, Dezember 20th, 2009
Zwei Bildschirme in der Ferne mit rotem Inhalt ließen mich etwas stutzig werden, und siehe da, alles nur eine Frage der Perspektive, plötzlich lag der Air Berlin-Schalter deutlich erkennbar vor mir, wie eine Oase in der Wüste, und zwar hinter dem Knick von Menschen, den die Schlange nach rechts zu ihrem, aber nicht meinem, Check-in-Schalter machte.
Viel beunruhigender war vom ersten Augenblick an, dass auf dem großen, doppelten Display in der Halle der Flug nach Deutschland mit der Abflugzeit von 12.35 Uhr gelistet war. Das kam mir als notorisch am äußersten Rand der Pünktlichkeit operierenden Menschen natürlich entgegen. Andererseits.
Andererseits wäre es sinnvoll, sich erst dann (zeitlich) zu entspannen, wenn mir ein offizieller Mensch dort den Abflugtermin bestätigt hätte. Die Dame am Air Berlin-Schalter jedenfalls wollte mir in meiner Behauptung einer Verspätung in einer seltenen Mischung aus Schwedisch, Englisch und Französisch nicht folgen. Egal, Hauptsache in time!
Sprachlich noch interessanter wurde es am Ende der Sicherheitskontrolle, die im Übrigen die Schnellste und Unkomplizierteste seit Menschengedenken war. Gürtel ab, ja, Deo-Roller egal, kann drinbleiben, Schuhe (Stiefel mit einigen Nieten) schlugen beim Durchqueren der „großen Tür“ nicht mal (akustisch) an(!), eigentlich unfassbar, aber gut, was soll’s. Zur Abwechslung mal schnell da durch, ich schiebe es mal auf den Sonntag und das ruhige schwedische Gemüt. OK, richtig voll war’s zu dem Zeitpunkt auch nicht.
Am Ende der Kontrolle jedenfalls murmelte eine Dame Mitte sechzig in feinem Schwedisch vor sich hin, durchaus nicht nur an das Sicherheitspersonal gerichtet, sondern auch in meine Richtung. Das einzige, was ich mit Sicherheit verstand, was das Wort Kaviar. Ich vermute, sie sagte so etwas wie: Meint ihr, ich habe hier zentnerweise Kaviar versteckt, oder was?! Auch auf meine deutlich artikulierte Bemerkung (Sorry, I have to admit that I’m not Swedish.) reagierte sie nicht weiter. Sie kaviarte weiter halblaut vor sich hin, zog sich dabei wieder komplett ihre Sachen an und wir schmunzelten uns in einer Art von geheimen Einverständnis an, bis sie, immer noch kaviarend, durch eine automatische Tür in Richtung der Abflug-Gates entschwand.
Am bis dahin als relevant verkündeten Abflug-Gate 63, was später Richtung 65 wechseln sollte, bestätigte mir ein freundlicher Herr zwar die Abflugzeit von 12.35 Uhr, jedoch bestritt auch er dabei eine Verspätung um eine Stunde. Der Leser ahnt, es gab nur zwei Möglichkeiten: entweder war die Zeit auf meinem Ausdruck der Flugdaten in meiner Tasche falsch, oder ich hatte schlicht und einfach nicht richtig hingesehen. Bei einer Ankunftszeit um 14.10 Uhr wären über zweieinhalb Stunden für einen Flug, der am Freitag mit größerer Entfernung nur eine Stunde und fünfzig gedauert hatte, sicherlich auch mehr als gemütlich gewesen.
Jetzt sind es noch exakt 30 Minuten bis zum planmäßigen Start der Maschine. Das Boarding dürfte gleich beginnen. Ich habe Transit Lounge von Crowded House angemacht und hoffe, dass ich es noch zu Ende hören kann. Die Playlist, in der ich es fand, passt von Titel und Inhalt her perfekt zum heutigen morgen und dem ganzen Wochenende: If you smile, you might get… (some reward).
So habe ich mich heute selbst überlistet und bin so pünktlich zu einem (Ab-)Flug erschienen, wie noch nie – und vermutlich auch nie wieder…
Deutscher Schnee, ich komme!






