Archive for the ‘Menschen’ Category

Ges(ch)ichtsbuch

Donnerstag, Januar 13th, 2011

Ich gehöre nicht zu den 500 Millionen Menschen bei Facebook. Das Netzwerk begegnet mir aber beruflich und ich habe Social Network von David Fincher in der Originalfassung gesehen. Produziert übrigens von Kevin Spacey. Fazit: Auch mit Millionen von Freunden kann man einsam sein.

Ich bezweifle, dass der Dienst in 5 Jahren da stehen wird, wo es jetzt alle erwarten, oder soll ich sagen, worauf sie ihr Geld wetten? Interessant wird es wie immer beim menschlichen Verhalten. Und da gibt es ja in beide Richtungen noch Spielraum. Trends erzeugen ja immer auch Gegentrends.

Was denken die anderen nun also von mir? Das ist natürlich eine wahnwitzig wichtige Frage, wenn man sich mehr über andere als über sich selbst definiert. Verständlich, dass die öffentliche Auskunftsfreude vielen Freunden von Geschäften gelegen kommt. Da möchte der eine oder andere doch sicher lieber vor sich selbst geschützt werden, als vor der “Datensammelwut” des weltgrößten Poesialbum-Betreibers, oder?

Offen ist das alles für poetische, philosophische und soziologische Betrachtungen. Und bald sicher auch für geschichtliche. Hauptsache irgendjemand hat davon einen Nutzen. Wie spannend wäre es, menschliches Verhalten nicht hochzurechnen, sondern zu erleben. Wie sagte mal jemand in einem Vortrag auf einer DPRG-Veranstaltung so schön: Werbung von heute ist Spam von morgen.

Vielleicht liegt alles auch daran, dass ich früher schon mit Poesiealben eher wenig anfangen konnte und mir auch das althergebrachte “Zwitschern” immer noch mehr Freude bereitet. Und auch mehr Kopfschmerzen.

Worum geht es nun also?

Sonntag, Dezember 5th, 2010

Als ich mich heute im Laufe eines früh beginnenden Sonntags - oder war es bereits gestern? - fragte, warum ich eigentlich bei all meiner grundsätzlichen “Abneigung”[*] gegenüber Twitter und Facebook diesen Blog betreibe - abgesehen vom Vergnügen an endlosen Sätzen wie diesem -, da kam mir in den Sinn, dass ich vielleicht mal wieder über meine ursprünglichen Motive nachdenken sollte, um diese Frage zu beantworten.

[* Die grundsätzliche Abneigung ist eher eine grundlegende Skepsis, die vor allem bedeutet, dass ich etwas nur mache, wenn ich es gut finde, und nicht etwa deshalb tue, weil (fast) alle es machen. Die grundsätzliche Abneigung ist gerade eher eine Abneigung, die sich aus einer (Über)Anstrengung aufgrund von Übermaß darstellt. Mir ist das alles zu viel, und ich kann nicht erkennen, wo das hinführen soll. Gewiß, niemand zwingt mich, das alles anzuschauen oder zu verarbeiten, aber allein die Vorstellung, was täglich an Datenmüll produziert wird, bringt mich nicht wirklich nach vorne.]

Schreiben wollte ich. Und (es) veröffentlichen. Doch die Öffentlichkeit suchte ich nicht, suche ich noch immer nicht. Ich wollte mir das Schreiben erhalten, und mich zum Schreiben bewegen, wenn nicht gar zwingen. Es sollte etwas eigenes sein - wie der Name schon verrät.

In der vergangenen Woche drehte sich ja alles mehr oder minder nur um WikiLeaks und vielleicht sollte sich jeder mal grundsätzlich überlegen, wie er/ sie es fände, wenn seine/ ihre Kontoauszüge oder ähnliches frei zugänglich im Netz auftauchten. Besser verstanden habe ich die Motive von Julian Assange erst nach der Lektüre eines Artikels in der SZ: Der Gegenverschwörer.

Wir verspeisen uns gerade selbst: Das was wir gut finden und haben wollen, geschieht auf Kosten anderer, und das, was wir kritisieren, befeuern wir selbst mit unserer (Neu)Gier. Teil der Maschine zu sein reicht irgendwann nicht mehr, und aus Prinzip gegen den Strom zu schwimmen geht bei Zeiten über die Kräfte und ist nicht minder “spießig” als die angepassteste Konformität.

Und am Ende ist es so, wie ich es mir gedacht habe. Nur müssen dabei alle zusehen, zuhören oder mitlesen? Dies gilt auf wundersame Weise für meine Ausgangsfrage und auch für das Thema dieser Tage: Am Ende muss ich mich mit mir selbst auseinandersetzen. Das ist anstrengend, kann fürchterlich sein, tut mitunter weh, hört nie auf und ist doch mehr als nur reiner Selbstzweck.

Als ich meine Nichten heute Abend zu Bett brachte, fragte ich sie, was sie denn werden wollen. Tierärztin sagte die eine, Modedesignerin die zweite und die dritte, ja, sie wollte lieber nochmal eine Nacht darüber schlafen.

Was wir einmal werden wollten ändert sich im Lauf der Jahre in der Regel mehrfach und erlebnisbedingt. Was wir aber geworden sind, lässt sich nur noch mit größter Anstrengung korrigieren. Dabei ist alles einmal da gewesen und auch noch da, das ist mir heute Abend wieder klar geworden. Wenn der Rahmen auch gesteckt sein mag, über das Handeln bestimme ich doch immer noch selbst. Wenn ich denn weiß, wer ich bin oder es zumindest herausfinden möchte.

Hätte man die Antwort auf meine Frage nicht auch in einem Satz geben können?

Letzter Essay von Tony Judt

Montag, August 30th, 2010

Auch wenn ich den Titel und Untertitel des Beitrags Berliner Provinz aus dem SPIEGEL zumindest für unglücklich halte, so empfehle ich doch den Essay des vor Kurzem verstorbenen Historikers Tony Judt unbedingt zur Lektüre.

Europa ist in seiner jetzigen Form und “Organisation” für zu viele schon wieder so selbstverständlich, dass eine kleine Geschichtsstunde mehr als nicht schadet.

PDF-Download des Beitrags

Berlin, still Calling

Freitag, August 27th, 2010

Bei Lasagne und Zucchini-Salat haben meine lieben Bürokollegen und ich gestern Berlin Calling auf DVD konsumiert. Heute, angesichts des leicht verspäteten Veranstaltungsendes, fühlt es sich doch etwas so an, als habe man einen Teil der Drogen aus dem Film mitverspeist.

Fazit: Schräg, lustig, traurig, intensiv, rastlos, energiegeladen, berlinesk, grandiose Musik und ein Hauptdarsteller, der grandios (mehr als nur sich selbst (ein bisschen)) spielt. Der Soundtrack läuft schon lange auf Heavy Rotation, jetzt werde ich ihn mir noch einmal bestellen. Favourite tracks: Aaron, Azur, Sky And Sand.

Icke sach ma: Läuft!

Hannover as City of blinding lights

Freitag, August 13th, 2010

U2 am 12. August in der AWD Arena in Hannover - kann man mal machen. Auch wenn die Tickets zwischen 70 und 270 Euro kosten. Als Wahl-Hamburger und Ex-Hannoveraner finde ich das natürlich eine naheliegende Gelegenheit, auch wenn man im Volkspark sicherlich für ein kleines Aufgeld ohne Problem das Dach ab, und dann wieder angebaut hätte haben können. Oder? Oder warum “geht” das beim kleinen, aber nicht beim großen HSV? Zwinker, Zwinker.

U2_Hannover_12-8-10

Mein letztes und bisher einziges Live-Erlebnis mit den vier Iren hatte ich im August 1997, bei einem Konzert der Pop Mart-Tour. Auf dem entstehenden EXPO-Gelände war es auch schon damals unheimlich laut, und hatte nach meinem Empfinden für ein Freiluft-Konzert bereits eine unheimlich gute Akustik. Meine fast einzige Erinnerung an den Abend: One als letzter Song, alles stockfinster und auf der riesigen Leinwand ein knallrotes Herz, begleitet von den Worten: “We promise, we will come back soon.” Hat ja dann etwas gedauert…

Der zu erwartende Tribut für Robert Enke im Jahr 2010 wurde mit dem letzten Song dann auch noch gezollt. Moment of Surrender und Larry Mullen jr. dazu im Trikot der 96er. Man kann dabei, angesichts von mitunter grenzwertigem Pathos und der simplen Tatsache, dass sich die Jungs einfach mit dem Thema und der Stadt beschäftigt haben, geteilter Meinung sein - Gänsehaut bleibt aber nicht aus. Sicherlich auch, weil die Bühne des Verstorbenen der Ort war, an dem die gewaltige Bühne an diesem Abend aufgebaut ist.

Fazit nach gut zwei Stunden lichten Spektakels: Die Show bleibt weltweit unübertroffen, das Publikum ist unfassbar durchmischt, die Songs und Arangements gut bis sehr gut gewählt, und es war unglaublich laut - in the city of blinding lights.

Play the game? - Let’s make money!

Mittwoch, Juli 28th, 2010

Gestern Abend lief in der ARD der zwei Jahre alte Film Let’s make MONEY des österreichischen Filmemachers Erwin Wagenhofer. Er hatte bereits davor mit seinem Dokumentarfilm We feed the world Aufmerksamkeit erregt.

Dass man sich bei der Uhrzeit der Ausstrahlung mal wieder über gar nichts wundert, steht noch auf einem anderen Blatt.

Der Film ist sparsam mit Sprache und Wortbeiträgen, die Kamera begleitet die “Player” der (Geld-)Wirtschaft auf den verschiedenen Erdteilen. Er zeigt in ruhigen Bildern teilweise dramatische Zusammenhänge und setzt ganz auf die Kraft der Orte und der Menschen. Die Kontraste könnten stärker kaum sein, beispielsweise zwischen dem Fondsmanager in Singapur, der 50 Milliarden Euro verwaltet, und den Baumwollpflückern in Burkina Faso, die im Jahr(!) 50 Euro verdienen.

Zweifellos wurden die richtigen “Player” ausgewählt, gefragt und dargestellt. Sehr aufschlussreich war auch der Part über einen Economic Hit Man. Wie soll man damit umgehen, wie soll man das Gesehene verarbeiten? Zynisch/realistisch? Play the game - or somebody else will play it for you?! Bestürzt? Oder einfach nur ganz bewusst und klar?

Kraft und Macht bewegter und bewegender Bilder. Man kann vieles daraus mitnehmen, man kann etwas daraus machen.

How I got over - Refudiate?!

Freitag, Juli 23rd, 2010

Auf dem Rückflug von München nach Hamburg vorgestern las ich in der SZ eine Kritik über das neue Album von The Roots. How I got over heißt es, und das, was ich bisher davon gehört habe, deckt sich mit der sehr wohlwollenden Kritik.

Die Band ist nebenbei auch die Studioband der Late Night Show von Jimmy Fallon. Dort fand ich gerade einen schönen Clip mit ihrem Drummer Questlove. Er mixt die Internet-Fundstücke der Sendung live zusammen. Sarah Palin erschafft dabei unter anderem das neue Wort refudiate und man sieht eine “Kurzfassung” von Men who stare at goats(!).

Check it out, yo!

Interview mit Nathan Myhrvold

Samstag, Juli 17th, 2010

Und der vierte Eintrag heute. Da hat aber jemand Nachholbedarf…!

Mein Freund Dirk Loop (Blog) schickte mir - eigentlich mehr aus beruflichen Gründen (Intellectual Property, Patentbewertung, Ratingwissen-Kongress) - das folgende Interview (komplett) mit Nathan Myhrvold bei Charlie Rose. Und es ist sehr interessant und der Mann ist wirklich gut. Nein, er ist selten auf seine Art, hat wirklich etwas zu sagen, und weil er so selten ist, ist er unheimlich gut.

Check it out and take your time doing so!

The house is crowded again - Intriguer

Samstag, Juli 17th, 2010

Heavy rotation all the way: Das neue Crowded House-Album Intriguer bringt Neuseeland wieder mal ein Stück näher. Mein aktueller Favorit: Archer’s Arrows.

Ich hoffe, Sie kommen noch für weitere Konzerte nach Deutschland. Hamburg? Surrrrrrre!

It’s a Double Rainbow

Samstag, Juli 17th, 2010

Irgendwo zwischen Naturerlebnis, Porno, Trip, Begeisterung und Maßlosigkeit liegt dieser nicht mehr ganz unbekannte Clip. Kommentar eines Freundes: Der Regenbogen ist geil, aber der Typ nervt!

Vor zwei Tagen hatte das Ding “erst” 3,9 Millionen Zugriffe, jetzt sind es schon über 5! Crazy!